Neuer Schulname (sz)

Bürgermeister Friedrich Nägele und Gemeinderat Werner Kreitmeier mit dem Lebenslauf des Namensgebers für die Schule, Josef Karlmann Brechenmacher.  Elisabeth Sommer
Bürgermeister Friedrich Nägele und Gemeinderat Werner Kreitmeier mit dem Lebenslauf des Namensgebers für die Schule, Josef Karlmann Brechenmacher. Elisabeth Sommer

03.02.2015 (Aktualisiert 20:12 Uhr) sz online

Elisabeth Sommer

Schule wird nach Brechenmacher benannt

56 Jahre nach der Einweihung erhält Oberdischingens Schule einen Namen

 

Oberdischingen sz Die Schule in Oberdischingen bekommt 56 Jahre nach ihrer Einweihung einen Namen. Die Grund- und Werkrealschule wird nach dem in Oberdischingen geborenen Lehrer Josef Karlmann Brechenmacher benannt, der von 1877 bis 1960 gelebt hat und auch bei der Schuleinweihung in Oberdischingen 1959 dabei gewesen war, wie Gemeinderat Werner Kreitmeier in seiner Funktion als Vorsitzender des Museumsvereins ermittelt hat.

Einig waren sich die Gemeinderäte am Montagabend im Wesentlichen darüber, dass die Schule nach Brechenmacher benannt wird. In der vorherigen Sitzung Ende Januar war das Thema noch vertagt worden, weil kurzfristig weitere Namensvorschläge eingegangen waren: Schule am Jakobsweg, Panoramaschule, Otfried-Preußler-Schule, Prof. Stefan-Ott-Schule oder auch Theodor-von-Renz-Schule hätten zur Debatte gestanden, ließ Bürgermeister Nägele wissen. Die Schulkonferenz habe sich dann aber laut Bürgermeister auch für Brechenmacher als Namensgeber entschieden, wenn auch der Name aufgrund seiner Länge und möglicher Assoziationen als nicht ganz unkompliziert gilt. „Schüler hätten gleich an Einbrecher gedacht“, weiß Nägele.

Einweihung am 6. März

Der Gemeinderat musste sich am Montag aber speziell noch über die Schreibweise einigen, ob der Name mit oder ohne Nennung der Vornamen oder nur mit abgekürztem zweiten Vornamen verwendet werden sollte. Mehrheitlich fiel die Entscheidung, die Vornamen auszuschreiben, da niemand ein Rätselraten starten sollte, was ein abgekürztes K bedeuten könnte. Der volle Namen Josef-Karlmann-Brechenmacher-Schule, soll an der Schule angebracht werden. Bereits einen Kostenvoranschlag hat der Bürgermeister eingeholt, der sich auf 1700 Euro beläuft. Die Einweihung der Schule nach der energetischen Sanierung, dann mit der Feier der Namensgebung, ist bereits für den Freitag, 6. März, festgelegt. Werner Kreitmeier hat den Lebenslauf von Josef Karlmann Brechenmacher zusammengetragen, der an einer Stele an der Schule nachzulesen sein wird.

Brechenmacher wurde am 21. Februar 1877 in Oberdischingen geboren, wo sein Vater Rupert bereits Lehrer war. Brechenmacher junior absolvierte seine Ausbildung zum Volksschullehrer 1891 bis 1895 am Lehrerseminar in Schwäbisch Gmünd, arbeitete als Lehrgehilfe und Lehrerstellvertreter in Wehingen, Munderkingen und Mengen in den Jahren bis 1899 und wurde 1900 Lehrer in Hundersingen im Oberamt Ehingen. 1903 heiratete der Lehrer dann Karoline Theresia Strub und hatte mit ihr zusammen vier Kinder. Stellen als Hauptlehrer in Stuttgart, als wissenschaftlicher Hauptlehrer am Lehrerseminar in Rottweil und Oberstudiendirektor am Lehrerseminar Saulgau folgten. 1934, in der Nazizeit, ereilte ihn die Zwangspensionierung wegen kritischer Haltung gegenüber den Machthabern.

Brechenmacher zog nach Stuttgart und widmete sich der Namensforschung bis er 1944 durch einen Bombenangriff seine Wohnung verlor und nach Saulgau zurückkehrte und später dort zum Ehrenbürger ernannt wurde, wo heute bereits eine Schule nach ihm benannt ist.

1945 ernannte ihn die französische Militärregierung zum Vorsitzenden der Entnazifizierungskommission. 1946 war er dann wieder als Oberstudiendirektor und Leiter des Lehrerseminars in Saulgau tätig, wurde 1947 zum Ehrensenator der Universität Tübingen ernannt und offiziell 1950 ehrenvoll in den Ruhestand verabschiedet. Josef Karlmann Brechenmacher steht für zahlreiche Veröffentlichungen, zum Beispiel das „Etymologische Wörterbuch der Familiennamen“, und gilt neben der Namens- und Sippenkunde als bedeutender Sprach- und Mundartforscher. Der Leitspruch des Pädagogen, Forschers und Autors lautete: „Wir arbeiten nicht für heute und nicht für morgen, wir arbeiten, um eine Tradition zu begründen.“

 

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