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Oberdischingen

Grund- und Werkrealschule bekommt neuen Namen

Ein Name für die Grund- und Werkrealschule in Oberdischingen ist gefunden: Im März soll sie Josef-Karlmann-Brechenmacher-Schule getauft werden.

RAINER SCHÄFFOLD swp online| 04.02.2015

 

Foto: Rainer Schäffold

An der Wand neben dem Eingang zur Schule, etwa hinter dem Bäumchen, soll demnächst der neue Name der Oberdischinger Grund- und Werkrealschule angebracht werden. 

Die Oberdischinger Grund- und Werkrealschule wird bald Josef-Karlmann-Brechenmacher-Schule heißen; dies hat der Gemeinderat am Montag beschlossen. Bei der Einweihungsfeier am Freitag, 6. März, wird die sanierte Schule offiziell den neuen Namen bekommen. "Der Name passt gut zu unserer Schule", war sich das Gremium weitgehend einig.

Schulleiter Reinhard Allgaier findet, dass die Wahl des Namens gut durchdacht sei; Brechenmachers Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus zeige, "dass er einen starken Charakter hatte", sagte er gestern auf Anfrage (siehe Text links unten). Lob hatte er für Werner Kreitmeier parat, er habe "im Vorfeld hervorragende Arbeit geleistet".

Vom Ratsmitglied und Vorsitzenden des Museumsvereins war der Vorschlag zur Namensgebung gekommen. "Er hatte immer Bezug zu Oberdischingen", sagte Kreitmeier in der Sitzung über Brechenmacher; der Ort habe ihn "sein ganzes Leben begleitet".

In mehreren Beratungen in den zurückliegenden Wochen, auch mit der Schulkonferenz, hatte sich der Name immer mehr herauskristallisiert. Es waren auch Vorschläge für andere Namensgeber eingegangen, etwa für den Arzt Theodor Renz, der im 19. Jahrhundert in Oberdischingen und Ehingen gewirkt hatte, für Stefan Ott, Verfasser des 1977 erschienenen Heimatbuches, oder für den Kinderbuchautoren Otfried Preußler. Ein weiterer Vorschlag lautete "Schule am Jakobsweg".

Frage im Gemeinderat war nur noch, ob auch Brechenmachers zweiter Vorname im Schulnamen auftauchen oder man ihn mit einem K. abkürzen solle. Bei einer Gegenstimme von Josef Rapp entschied sich das Gremium schließlich für den vollen Namen. Die Nachkommen legten Wert darauf, zudem könne er auch mit "JKB-Schule" abgekürzt werden, analog zum JVG, dem Johann-Vanotti-Gymnasium Ehingen, hieß es im Rat.

Im Schulbereich - wo genau, steht noch nicht fest - soll auch eine Stele mit den Lebensdaten Brechenmachers angebracht werden. Außerdem soll der Name auch an der Außenwand des Schulgebäudes, neben der Eingangstür, angebracht werden. Laut Kostenvoranschlag werde dies 1700 Euro kosten, teilte Bürgermeister Fritz Nägele mit.

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Von den Nazis zwangspensioniert

"Wir arbeiten nicht für heute und nicht für morgen; wir arbeiten, um eine Tradition zu begründen" - dies war der Leitspruch von Josef Karlmann Brechenmacher. Schon 1947, als er zum Ehrensenator der Universität Tübingen ernannt wurde, galt er als "bedeutender Sprachforscher". Dabei erschien erst zehn Jahre später, 1957, sein "Etymologisches Wörterbuch" der deutschen Namen- und Sippenkunde, das bis heute ein Standardwerk geblieben ist.

Seine Schullaufbahn begann in Oberdischingen: 1883 wurde der Sechsjährige in seinem Geburtsort in der Volksschule eingeschult und lernte bei seinem Vater, dem Lehrer Rupert Brechenmacher. Schon mit 14 stand Josefs Berufswunsch offenbar fest, denn in diesem Alter hat seine Ausbildung zum Volksschullehrer am Lehrerseminar Gmünd begonnen, die vier Jahre dauerte. Als 18-Jähriger war Brechenmacher als Lehrergehilfe und -Stellvertreter in Wehingen, Munderkingen und Mengen tätig, "definitiver" Lehrer wurde er dann im Jahr 1900 in Hundersingen im "Oberamt Ehingen".

Nach seiner Heirat 1903 wurde er 1907 Hauptlehrer in Stuttgart und 1920 Professor für das Fach Deutsch am Lehrerseminar Rottweil. 1934 wurde der vierfache Vater dann zwangspensioniert wegen seiner kritischen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten - und zog nach Stuttgart. Dort sind 1944 bei einem Fliegerangriff mit seiner Wohnung auch fast alle wissenschaftlichen Unterlagen und Sammlungen vernichtet worden. Er kehrte nach Saulgau zurück, wo er bereits Ende der 20er Jahre tätig gewesen war. Dort wurde er erst Vorsitzender der Entnazifizierungskommission, dann Oberstudiendirektor und Leiter des Lehrerseminars Saulgau. In dieser Stadt, die ihn als einen von nur zwei Personen zum Ehrenbürger ernannt hat, ist Josef Karlmann Brechenmacher 1960 gestorben. Die dortige Grund- und Werkrealschule heißt Brechenmacher-Schule.

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